stehen & liegen (lernen)

wenn die nachbarn nett wären und das schon mal die halbe miete bedeutete und keine halbe weltreise.

wenn jeder mensch seinen platz im leben gefunden hätte.

wenn es dann nicht nur plätzchen für alle gäbe.

(wenn eine clique für ihre freundschaft keine clicks mehr bräuchte.)

wenn der sex in castrop-rauxel aufregender wäre als der sex mit frank castorf.

wenn ein strich durch die rechnung niemals auf dem strich enden müsste.

wenn der rockzipfel an dem du früher hingst, dir heute mehr bedeuten würde als der wurstzipfel, mit dem sie dich andauernd ködern wollen.

wenn regelmässig hackfleisch aus der hackordnung gemacht würde.

wenn sich die geliebte endlich geliebt fühlen würde.

wenn wir dann ein paar tangoschritte weiter wären.

wenn die hipster in berlin deine seele nicht mehr verdient hätten.

wenn der entscheidende cut deines lebens immer automatisch zur cut-up-technik würde.

wenn dann jemand endlich “cut!” aus dem off schreien würde.

wenn die rolle aus der ich falle weder falle noch rolle rückwärts beinhaltete.

wenn wir weder karre, noch knarre, noch karriere nötig hätten.

wenn an der angel nicht immer soviel mangel hinge.

wenn sich milieu nicht mehr so verdammt gut auf bourdieu reimte.

wenn die evolution das “r” rollen lernte.

wenn paradontose und paranoia gemeinsam leichter zu ertragen wären.

wenn sich jede fassade anfassen liesse und schmölze.

wenn sie dann gänzlich ade wäre.

wenn durch ein lachen, jedes weitere “ach” abgeschmettert würde.

wenn sich endlich jede call-center-agentin einen call-boy leisten könnte.

dann würde ich dafür alles stehen und liegen lassen.

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