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19. February 2021

manchmal sind die
geschlossenen augen
auch in der geschlossenen
nicht mehr sicher.

sie sind es leid sich
mit den blicken
anderer zu betrachten
selbst wenn diese
durch eine rosarote
brille sehen.

dann versagt
oft die
eigene stimme.

die anderen
machen aber weiter
wie bisher.

sommerhaus später

18. February 2021

und die letzten
sonnenblumen
in ihren gelbwesten
strecken stolz
ihre köpfe der
sonne entgegen
wer wird ihnen
schliesslich
das genick brechen
wer wird
sie entkernen
für das grösste
stück vom kuchen?

kriftel/ts an weihnachten, (ohne) grau(en).

17. February 2021

vater klug
mutter stief
ein maskiertes
weihnachten
im trio-konzert

grau
aber ohne grauen
fragt mich vater
später
im auto
während wir
am friedhof
entlang fahren:

“ich weiss,
du hast diesen
vorort immer
gehasst,
es war nicht
paris, es war
nicht nyc,
aber wir haben
für dich
einen platz
im familiengrab
reserviert.
findest du
das okay?”

da ist die
väterliche
fürsorge
wie ich
sie kenne
die plant bis
ins letzte detail.

vor soviel
organisationstalent
ziehe ich
immer wieder
den hut.

kurz muss
ich schlucken
bis ich
schliesslich
lange nicke
und einfalle
in den
heiligen
gesang.

für a. (sehnsucht nach einem kuss auf die stirn infolge eines übersee-telefonats)

16. February 2021

“sag´s nicht
weiter, aber ich
mache von nun an,
glaube ich,
in kastanien.”

“ist doch okay,
dann färbe
ich mir jetzt
sofort meine haare
kastanienbraun
und schicke dir
schnell ein selfie.”

für w. (berlin)

16. February 2021

“ach, irgendwie
bin ich in den letzten
15 jahren halt
einfach 15 jahre
älter geworden.”
sagst du
und ich sehe
dich das erste mal
komplett mit
grauen haaren
(ich hatte aber
davon gehört).
steht dir gut.
ruhig und konzentriert
dein blick.
wir sitzen uns
gegenüber und
ausnahmsweise
kann ich anschliessend
meine rechnung
mal selber bezahlen.
“ich irgendwie
auch”,
sage ich dann
noch und
wir wünschen
uns ohne häme
wie immer
alles gute
für unseren
weiteren
lebensweg.

für n. (berlin)

16. February 2021

“du greifst dir
schon wieder an
den busen”,
beobachtest du.
“oh, das tut mir leid”,
entgegne ich:
“das ist irgendwie
so ein neuer blöder
tick von mir”
(und greife mir dabei
schon wieder an den
busen).
betretenes schweigen
blicke nach unten,
beiderseits.
“ich glaube”,
fange ich langsam
und entschuldigend
an meine worte
zu wählen,
“mein busen
ist das einzige
woran ich mich
seit geraumer zeit
irgendwie noch
festhalten kann”.
du nimmst tröstend
meine hand und sagst:
“es stört mich
nicht. du kannst
dir auch milisekündlich
immer wieder neu
an den busen greifen.
es sieht fantastisch aus.”

kopfwäsche

14. February 2021

“gut so, die wärme?”
stellst du mir die
frage in den raum
& wasser läuft über
meine haare
how dare you asking
nicht genug
kann ich
davon bekommen
du giesst
meinen schopf
wie einen
wertvollen blumentopf
und schon lange
halten wir
die sache hier
am laufen & doch lieber:
wasser marsch!
augen zu & durch
ohne zu blinzeln
oder zu zögern
strecke ich dir
mein gesicht
der sonne
entgegen

rum & ähre

12. February 2021

ruhm
bedeutet rache
rum
meistens hinterher ach
rumms
hat oft zur folge asche

auf die altbekannte masche
fällt vielleicht bald
niemand mehr herein

ähre wem
ähre gebührt

der weizen
lässt sich diesmal
schlecht verheizen.

ausblinden

8. February 2021

und wenn sie
im fernsehen
mehr menschen
zeigen würden
beim arbeiten
würde dann den
anderen menschen
erst auffallen
dass sie eigentlich
arbeitslos sind
und wollen immer
mehr menschen
schauspieler werden
weil niemand mehr
weiss was echt ist
verarschen kann ich
mich selber
denkst aber
auch nur du
denkst du noch so
totaler luxus
komm wir spielen
blinde kuh!

bloss ein auszug

7. February 2021

von den blicken
die auszogen
bleibt übrig ein blitzlicht
und es zieht ein gewitter
darüber hinaus und hinweg
gebe ich dir dein geheimnis
zurück und bitte:
lösch die lupinen
und gleich deinen twitter
account der schon lange
sound aus drahtseilen nur
als schlange
oder als kranz
draussen auf dich wartet
um den hals gelegt
in trockenen tüchern
darauf stolz die blicke
die einst auszogen.